Aktuelle Ausgabe

allmende 96

Mit Beiträgen von


Petros Markaris, Wolf Wondratschek, Rafik Schami, Ilija Trojanow, Feridun Zaimoglu, Lukas Bärfuss, Durs Grünbein, Jagoda Marinić, José F. A. Oliver, Sibylle Lewitscharoff, Verena Boos, Susanne Fritz, Dirk Laucke, Günter Grass, Karl Wolfgang Flender, Lilian Loke, Martin Piekar, Johann Peter Hebel


Leseprobe

  Feridun Zaimoglu: »Sie brachen durch die Schranken …« (PDF)

  Rafik Schami: 5 Fragen – 5 Antworten (PDF)


allmende 96

»Aber Schweigen ist auch ein Wort« – Literatur und Politik


Dezember 2015 | 35. Jahr
80 Seiten, reich bebildert
Mitteldeutscher Verlag
ISSN 0720-3098
12,- € / 15,- sFr

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»Aber Schweigen ist auch ein Wort« – über die »Verantwortlichkeit des Schriftstellers« sprach Jean Paul Sartre anlässlich der Gründung der UNESCO am 1. November 1946. Über ein halbes Jahrhundert nach dem zweiten Weltkrieg wird unsere Gesellschaft mit gänzlich neuen globalen Krisen konfrontiert: Die Europäische Union drohte am Grexit zu scheitern, der IS-Terror kam nach Paris, die Demokratie scheint eine Regression zu durchleben und viele Länder sehen sich angesichts des Flüchtlingsstroms überfordert und geteilt.

In der 96. Ausgabe der Literaturzeitschrift allmende wurden renommierten Autorinnen und Autoren wie Rafik Schami, Sibylle Lewitscharoff, Feridun Zaimoglu und Ilija Trojanow sowie neuen Stimmen wie Verena Boos, Dirk Laucke und Lilian Loke die Frage nach der Verantwortung und Rolle der Literatur im Hinblick auf die Politik gestellt. Petros Markaris spricht von einer »Literatur der Hilflosigkeit«, Susanne Fritz von der »Umkehrung des Blicks« und Karl Wolfgang Flender verfasst ein Manifest. Das Ergebnis offenbart ein facettenreiches Meinungsbild, das nach Hintergründen, Ursachen und Lösungen fragt und der Literatur unterschiedliche Aufgaben und Funktionen zuordnet – »Der erhoffte Lichtschimmer am Ende des Tunnels ist zu erkennen« heißt es in einem der letzten Texte von Günter Grass.

Was Not tut ist Aufklärung, sagt Petros Markaris, der große alte Mann der griechischen Literatur. »Die Stärke der Literatur liegt in den Fragen«, konstatiert er: »Die Antworten muss aber der Leser selbst finden«. Literatur ist damit kein reines Informationsmedium, sondern dient primär zur Anregung kritischer Reflexion im Leser. Was bedeutet es beispielsweise fremd zu sein? Mit dieser Frage setzen sich Sibylle Lewitscharoff und Rafik Schami auseinander. Ilija Trojanow beschäftigt sich hingegen damit, warum Lösungen erst angesichts der Krise thematisiert werden – wo bleibt die Voraussicht? Wie reagiert man schließlich als Autor litererarisch auf die Krisen? Die Bewältigung dieser Frage findet sich in den übrigen Beiträgen. Den Prozess der Erkenntnisfindung begleiten dabei Gedichte von Durs Grünbein, José F. A. Oliver und Wolf Wondratschek. In der allmende stehen in dieser Ausgabe Fragen im Zentrum der Aufmerksamkeit – nur vor ihrem Hintergrund kann sich der Diskurs über das Verhältnis von Literatur und Politik in der modernen Gesellschaft vollziehen. Mit Adorno: » [Die Gesellschaft] soll nicht wegführen vom Kunstwerk, sondern tiefer in es hinein. «

Editorial


»Schweigen ist auch ein Wort…« – über die »Verantwortlichkeit des Schriftstellers « sprach Jean Paul Sartre anlässlich der Gründung der UNESCO am 1. November 1946. Was kann Literatur bewirken angesichts einer Welt, die im kriegerischen Chaos zu versinken drohte und Genozide verantworten musste? Sartres Antwort nach der Beendigung der Vernichtungsfeldzüge der Nationalsozialisten, der Shoa mit Millionen Ermordeten und am Beginn des »Kalten Krieges« mit der Möglichkeit atomarer Selbstauslöschung war eindeutig:

Wenn der Schriftsteller Literatur macht, das heißt, wenn er schreibt, dann übernimmt er damit die Funktion in einer Welt, wo die Freiheit ständig bedroht ist, die Behauptung der Freiheit und den Appell der Freiheit fortbestehen zu lassen.


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